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Im Zentrum meines Schaffens steht der Mensch, sein Wesen, sein Geist. Ich bewege mich in der Kombination und dem Wechselspiel der Zeichnung, der Malerei, des Objektes, der Installation und der Performance.
Textausschnitte
In meinen früheren Bildern beleuchte ich den Menschen in alltäglichen Situationen, oft im Licht der Ironie. Später entferne ich mich von der realistischen Ausdrucksform und gehe über die Reduktion bis ins Abstrakte. Die expressive Farbgebung und der gestische Duktus meines Striches widerspiegeln die spontane und emotionale Auseinander-setzung. Die Bilder entstehen durch den eigentlichen Malprozess. Dadurch komme ich meinem Anliegen näher, Unbewusstes zu visualisieren. Durch die persönliche Sichtweise eines jeden Betrachters werden die Bilder individuell definiert.
Das Thema Alltag erweitere ich, indem ich alltägliche Putzutensilien wie Besen und Bürsten als Mal-Utensilien benütze. Die Malaktion z.B. mit dem Besen ergibt erfrischende Strukturen. Ich arbeite mit den verschiedensten Materialien, was auf den Bildern eine neue Kombination von Zeichnen und Malen mit mehr Transparenz und Luft ergibt. Das passive Weiss der Leinwand bleibt teils sichtbar, teils lege ich Weiss über farbige Malerei.
Meine Empfindungen und Emotionen sind Grundlage meiner Kreativität und drücken sich in den verschiedenen Geschwindigkeiten und Intensitäten der Strichführung aus. Oft male und zeichne ich im Zustand der konzentrierten Gelassenheit und der bewussten Spontaneität.
Was bei den Zeichnungen zu Serien verwandter und dennoch in sich stehende Blätter führt, verdichtet sich bei den Ölbildern auf Leinwand in übereinander liegenden Schichten.
Ich experimentiere mit Materialien der Alltagskultur und gestalte sie zu Objekten : Plastik- und Kartonverpackungen, Papiertüten, Zahnbürsten usw, anders gesehen und neu kombiniert. Bananenschalen werden zu tanzenden Wesen, Kaffeefilter zur Ahnengalerie, Zeichnungen zu Zeichnungsobjekten ( Schuhe werden zu Füssen, Pinsel-Putz-Seifen zur Wirbelsäule usw.)
Zeichnungsobjekte Ich beginne gewisse Zeichnungen anzuschauen, ihre Energien auszuloten und herauszufinden, wie das einzelne Blatt weiter bearbeitet werden könnte. Das Vorgehen ist dann immer gleich, die Ergebnisse unterschiedlich: ich tauche die Zeichnung in Fischkleister und bilde und forme daraus etwas Neues, ein dreidimensionales Objekt. Aus diesen Zeichnungsobjekten entstehen die Installationen BERG IM ECK und ABGETRAGENER BERG. Aus meinen Zeichnungen schaffe ich in einer Metamorphose neue Werke, die in ihrer Energie den Umwandlungsprozess erahnen lassen und sich in ihrem verborgenen Reiz nach und nach dem Betrachtenden erschliessen. Und spätestens dann ist es auch nicht mehr wichtig zu wissen, was die Objekte einmal waren, weil sie jetzt, nach ihrer Verwandlung, eine neue Energie ausstrahlen und ein eigenes Leben führen.
Gewisse Bilder, die ich gemalt habe, reizen mich zu einer Weiterentwicklung, die über die Möglichkeiten der Malerei hinausgeht und mich in die Installation führt. Ich setze mich mit deren Inhalt erneut auseinander.
Ich schneide die Malerei aus dem fixierenden Keilrahmen und beginne damit die Tradition des altbewährten Tafelbildes in Frage zu stellen und zugleich neu zu definieren.
Mich interessieren die Bezüge zwischen Malerei und dem leeren Raum, Fläche und Körper, Wand und Boden, Geometrischem und Organischem, Fixem sowie Beweglichem.
HERAUSGESCHNITTEN Ich schneide gewisse Formen aus dem Tafelbild heraus und positioniere diese neu an der Wand, ausserhalb des Bildformates und in direktem Bezug zum Boden. Der leere, weisse Zwischenraum wird dadurch ein gleichwertiger Bestandteil der Malerei. Die Komposition und Gestaltungsmöglichkeit geht weiter als das ursprünglich begrenzte Bild und es entsteht ein anderer Umgang mit der Raumillusion in der Zweidimensionalität, sowie mit und im Raum. Die Beweglichkeit der bemalten Leinwand, der Arm der Frau, in Berührung mit den Putz-Utensilien, ermöglicht den Schritt sowohl in die wirkliche Körperhaftigkeit als auch in die reale Räumlichkeit.
ZUSAMMENGELEGT Ich transformiere die ursprünglich an der Wand fixierte geometrische Fläche und bewege die Malerei in eine organische Körperlichkeit auf dem Boden. Durch das Zusammenlegen der Malerei erhält diese eine neue Körperhaftigkeit und eine neue Verdichtung. Das sichtbar gewordene Holz des Keilrahmens umrahmt die nun entstandene aktive Leere an der Wand.
Während den vergangenen drei Jahren habe ich retrospektiv gearbeitet mit meiner Malerei und meinen Zeichnungen. Diese intensive Auseinandersetzung mit meiner eigenen Arbeit hat in mir neue Ausdrucksformen frei gelegt. Das Tafelbild kann meine Bedürfnisse nicht mehr befriedigen, ich hole es von der Wand, lege es auf den Boden. Ich lasse mir Zeit, bis der Impuls zur Aktion auftaucht. Nun wird die Leinwand zum Körper. Ich lasse mich davon überraschen, was mit dem Material über meine Aktion passiert. Neugierig beobachte ich, wie auch mein Körper in der Performance als Raum im Raum, je nach Standpunkt, mit dem Raumkörper interagiert. Die Veränderbarkeit meines eigenen Werkes zeigt: Schöpfung, Bewahrung, Zerstörung und Ruhe.
Die neuen Erfahrungen aus den Performances prägen jetzt meine Malerei, mein Zeichnen.
AUF DEM WEG Mit Graphit schreibe ich meine Gefühle und Emotionen, zuerst auf die Wände, dann auf den Boden. Ich schreibe rechts- und linkshändig, dann symmetrisch, gleichzeitig mit beiden Händen. Aktionen wie "AUF DEM WEG" entstehen, ich bewege mich, laufe auf meinen Zeichnungs-Spuren, in meiner Raum-Zeichnung, von Ebene zu Ebene. Mein Körper und seine Masse geben mir Impuls und zeigen mir Grenzen auf.
VON INNEN NACH AUSSEN Ich habe meine Malerei gesichtet und zwei Originale die selbsttätig in Dialog treten sollen zusammengenäht: Aussage nach innen. Die Rückseite dieses doppelten Bildes hängt an der Wand, ohne Keilrahmen. Die Malerei dringt durch die offenen Ritzen zwischen den Nähten nach Aussen. Das feinstoffliche Interagieren zwischen den ins Innere verlagerten Bildern fordert mich subtil auf teilzunehmen. Das Unsichtbare kommt vor dem Sichtbaren und manifestiert sich in meiner Spannung. In der Performance nehme ich die zusammengenähten Bilder von der Wand und lege sie vorerst auf den Boden. Ich umkreise sie und mir wird bewusst: ich will diese Bilder aus dem Dunkel wieder ins Tageslicht kehren. Erste Farbe wird sichtbar und quillt zur eigenständigen Form. Ich möchte die Skulptur in Übereinstimmung mit dem Raum ausrichten, gestalte mehr Form, umkreise erneut, schaue und höre. Die richtige Ausrichtung schafft den richtigen Raum, wie bei einem gut konstruierten Bau. Farben und Formen des Bildes nehmen jedoch ihre eigene Dynamik, den Gesetzen der Gravitation entsprechend ein. Die Asymmetrie in der Massenverteilung ist Quelle zu immer neuen Bildern, zu neuen Formen, zu neuen Geräuschen, die sich durch den gefüllten Raum inner- und ausserhalb der bewegten Bilderskulptur ergeben. Dieser Raum-Klang offenbart sich zur bewussten Wahrnehmung. Raum durch gestaltete Form neu zu definieren, ist für mich ein Symbol der Freiheit, einer Freiheit die nur durch Aktion möglich ist. Ton und Schwingung korrespondieren mit dem Raum und durchreisen ihn machtvoller und intimer als Luft. Wenn ich die Augen schliesse, höre ich, wie sich der Raum durch meine Aktion verändert. Ohren hören Stille, wie Klang. Durch den Akt wandelt sich die Schwingung des Raumes. Ich verdränge ihn und er kehrt in erneuerter Form zurück.
DIE MALEREI "HÄNDE" WASCHEN In der Performance hänge ich eine meiner Malereien von der Wand ab, lege das Bild auf den Boden und beginne es "nass aufzuziehen wie ein Fussboden". Mit Wasser, Putzlappen und Strupper bürste und fege ich die Bildoberfläche und den Inhalt des Bildes. Durch rhythmische Bewegungen entsteht Schaum, welcher mich nah an die Malerei führt.
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Claudia Eichenberger Müllheimerstrasse 39 CH – 4057 Basel
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